Straßenverkehr


   Das Wichtigste vorweg: Auf der Isle of Man herrscht Linksverkehr!

   Für Festlandeuropäer ist dieser Umstand gewöhnungsbedürftig und mit Vorsicht zu geniessen: man orientiert sich nämlich an Einmündungen oder bei Abbiegevorgängen erst mal zur falschen Seite und zwar nach links. Auch jeder Kreisverkehr (im Uhrzeigersinn, brrrr!) stellt Festlandbewohner zunächst einmal vor eine harte Probe. Da hilft nur eins: doppelt kucken! Am Besten brummelt man sich dabei noch den Spruch: "Rechte Seite, böse Seite!" in den Helm, das hilft!

Bild "Allgemeines:stvo1.jpg"   Aber nach ein paar Tagen hat man sich dran gewöhnt und man wird auf der Isle of Man allenthalben durch diverse kleine gelbgrüne Schilder in deutscher Sprache darauf hingewiesen, doch besser nicht rechts zu fahren.

   Was mit dem Motorrad normaler Weise keine großen Schwierigkeiten bereitet, sieht mit dem Auto schon anders aus. Man sitzt in "Festlandautos" links und es kommen einem jede Menge Geisterfahrer entgegen! Oha! Aber mal im Ernst, wer jemals als Beifahrer vorne in einem rechts gelenkten Auto gesessen hat und behauptet, er habe nicht versucht zu bremsen oder nach dem Lenkrad zu greifen, der lügt. Das ist schon ein sehr, sehr seltsames Gefühl.

   Und dann wären wir auch schon beim Thema Tempolimit: das gibt es nämlich grundsätzlich nicht auf der Isle of Man.

   In und um die Ortschaften herum sind Schilder mit den aktuellen Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgestellt, auch an einigen besonders gefährlichen Stellen stehen Verkehrszeichen, die die höchstzulässige Geschwindigkeit (natürlich in mph, also Meilen pro Stunde, grob: mph x 2 - 20 % = km/h) anzeigen. Doch dort, wo der weiße Kreis mit dem schwarzen Balken steht, dort gibt es keine Limits: hier darf gefahren werden, was die Strecke, das Moppett und das eigene Fahrkönnen hergibt. Leider überschätzen sich hier viele Fahrer immer wieder, so sind jedes Jahr auf der Isle of Man auch wegen Fahrens mit unangepasster Geschwindigkeit Unfälle mit schweren Folgen, manchmal sogar mit Toten, zu beklagen. Vor allem in der Rennwoche sind sehr viele von diesen "Rennfahrern" auf den Strassen der Insel unterwegs, was den Spaß am Fahren ein wenig schmälert. Gas geben, aber mit Bedacht, ist angesagt, damit es allen Spaß macht und damit auch alle wieder heil nach Hause kommen.

   Und dort, wo nur 30 mph erlaubt sind, da sollte man sich auch daran halten, denn die Polizei der Isle of Man ist speziell in der Rennwoche überall präsent und die Strafen für zu schnelles Fahren sind drastisch. Seit inzwischen 12 Jahren wird die örtliche Polizei übrigens hoch offiziell durch zwei Beamte aus Deutschland unterstützt, die auf Kosten der Isle of Man-Polizei mit eigenen Dienst-Motorrädern (grün-weisse BMW R 850 RT im Streife-Trim) aus Nordhorn (Niedersachsen) anreisen. Und zwar wie alle anderen Motorradfahrer mit vollem Gepäck mit der Fähre. Zwei Wochen lang versehen sie dann ihren Dienst zusammen mit ihren Manx-Kollegen und helfen nicht nur da, wo es Verständigungsprobleme gibt.

   Die Promillegrenze auf der Isle of Man liegt zur Zeit bei 0,8 Promille Alkohol im Blut. Im Interesse aller anderen Verkehrsteilnehmer und natürlich auch zur eigenen Sicherheit sollte man aber gerade auf dem Motorrad den Alkohol aus dem Kopf lassen.

   Noch ein Wort zu den Strafen bei Verkehrsverstößen auf der Isle of Man: hier reicht die Palette je nach Schwere des Delikts von ermahnenden Gesprächen über saftige Geldstrafen (man ist hier nicht so zimperlich wie bei uns zu Hause) bis hin zu Gefängnisaufenthalten. Auch ein Verweis von der Insel innerhalb einer bestimmten Frist ist möglich, oft als Alternative zu einem mehrtägigen Zellenaufenthalt. Stockschläge sind seit 1993 nicht mehr erlaubt. Bei den deftigeren Verstößen gibt es sogar eine Art Schnellgericht: vor dem Isle of Man Police-Department in Douglas wird ein fahrbares Büro aufgestellt, in dem es drei Arbeitsplätze gibt, an denen drei Polizisten sitzen. Die zu bestimmten Zeiten bestellten Verkehrssünder reihen sich vor dem Container auf und werden der Reihe nach "abgearbeitet". Und wer meint, er könne sich dadurch drücken, dass er der englischen Sprache nicht mächtig ist, der hat sich geirrt: es gibt einen neuen Termin mit Dolmetscher. Und nicht selten fällt die Strafe dann auch härter aus als gewöhnlich, hat man doch mehr Arbeit verursacht.

   Abschliessend bleibt festzustellen, dass es ganz einfach das Beste ist, wenn man erst gar keinen Anlass gibt, polizeilicherseits bestraft werden zu müssen. Und zum guten Ton gehört ein zivilisiertes Verhalten ja wohl ohnehin. Schließlich ist man ja "nur" Gast auf der Insel.

   Webtipp: Linksverkehr (Wikipedia)