Der TT-Kurs

      

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   Auf der Isle of Man finden im Jahr mehrere Motorsportveranstaltungen statt, so unter anderem ein Lauf zur britischen Rally-Meisterschaft, diverse Motocross-Rennen, Trialveranstaltungen und natürlich allen voran die Motorrad-Strassenrennen, die TT und der Manx Grand-Prix.

   Diese Rennen werden auf dem ca. 60 km langen so genannten "Mountain Course" gefahren, einer ganz normalen Strasse, die für Trainingssitzungen und die Rennen mit hohem Aufwand an Personal und Organisation komplett abgesperrt wird.

   Vor Beginn eines jeden Trainings oder Rennens wird die Strecke von den "Travelling Marshals" inspiziert. Das sind meist ehemalige Rennfahrer, die mit Motorrädern (in den letzten Jahren immer die aktuellsten, von Honda gesponsorten Modelle) die Strecke abschnittsweise abfahren und dann per Funk der Rennleitung ihr O. K. melden. Erst dann können die Rennfahrer auf die Strasse.

   Durch mehrere Ortschaften rasen dann die Motorräder mit Höchstgeschwindigkeiten über den Kurs, auf dem es weniger auf große Schräglagen als auf eine gute Linienwahl der Fahrer ankommt. Schnittgeschwindigkeiten von über 200 km/h werden hier erreicht, an einigen Stellen des Kurses geht es so flott voran, dass leichteste Bodenunebenheiten für spektakuläre Sprünge der Motorräder bei höchsten Geschwindigkeiten sorgen.

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   Interaktive Google Maps-Karte des TT-Kurses

   In Douglas befindet sich mit dem Grandstand eine Tribüne an Start und Ziel, von hier aus einmal ein Rennen zu beobachten ist sehr interessant, da man hier die Stopps der Fahrer hautnah mitbekommt. Hier ist immer etwas los, das Fahrerlager befindet sich hinter dem Grandstand, es gibt einige Händler, die Ersatzteile, Equipment und Souvenirs verkaufen, Leistungsprüfstände für jedermann, einige Imbissbuden und vieles mehr. Hier findet auch die technische Abnahme der Rennmaschinen statt, bei der man ebenfalls zusehen kann. Mit ein wenig Glück läuft man hier auch einem der TT-Helden direkt über den Weg.

Bild "TT-Infos:brayhill.jpg"   Kurz nach dem Start kommt man zu einer für den Zuschauer spektakulärsten Stelle: Bray Hill, eine Senke mit einem leichten Rechtsknick, die mit Höchstgeschwindigkeit passiert wird. Obwohl die Kurve eigentlich nicht als solche bezeichnet werden kann, benötigen die Fahrer hier bei dem hohen Tempo fast die gesamte Strassenbreite, um das Motorrad unter Kontrolle zu halten. Im Scheitelpunkt der Senke werden die meisten Maschinen derart zusammengestaucht, dass sie voll durchfedern und mit der Unterseite kurz auf dem Boden aufschlagen (was im Übrigen an den Kratzspuren auf der Straße gut zu erkennen ist).

   Etwas weiter befindet sich ein Doppelkreisverkehr: Quaterbridge ist erreicht. Hier können die Rennfahrer besonders gut beobachtet werden, da die Geschwindigkeit hier relativ langsam ist. Als Zuschauer ist man hier bestens versorgt: im hiesigen Pub werden Speisen und Getränke angeboten.

   Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich schon die nächste lohnenswerte Aussichststelle: Braddan Bridge. Hier gibt es an einem mit Gras bewachsenen Hang eine grosse Naturtribüne, Bänke laden den Zuschauer ein, in der S-Kurve, in der ebenfalls nicht besonders schnell gefahren wird, das Renngeschehen zu verfolgen.

   Der nächste erwähnenswerte Beobachtungspunkt ist der Kirchgarten von Union Mills. Hier fliegen die Protagonisten im Höllentempo nur wenige Zentimeter an Wänden vorbei durch eine leichte S-Kurve, besonders prickelnd die Gespanne, die es hier besonders spektakuär durchschüttelt. Während der Rennen sorgen die Gemeindemitglieder der Methodist Church mit Tee, Kaffee und Kuchen, Sandwiches und Süßigkeiten nicht nur für das leibliche Wohl der spectators, sondern auch für die Aufbesserung der Kirchenkasse. Wer will, kann sogar gegen einen geringen Obolus einen der Stühle aus der Kirche ausleihen. Empfehlenswert!

   Die Strecke windet sich in größtenteils leichten Kurven weiter, teilweise säumen rechts und links Häuser die Rennstrecke. Einige Plätze wie das Inn "The Crosby" bieten Sitzplätze an der Strecke, hier rauschen die Moppetts in hohem Tempo vorbei.

   Ab Ballacraine, einer recht scharfen Rechtskurve, die mit hoher Geschwindigkeit angefahren und ziemlich hart angebremst wird, geht es in die Glen Helen Section, einem sehr kurvenreichen Streckenabschnitt. Hier geht es an schroffen Felswänden vorbei durch sehr wechselhafte Lichtverhältnisse. Da viele Kurven nicht einsehbar sind und der Pilot praktisch im Blindflug um die Ecken zirkeln muss, ist dieser Teil des Kurses eine grosse Herausforderung für die Fahrer. Innerhalb dieses Streckenabschnitte gibt es einige schöne Plätze zum Schauen, die aber den Nachteil haben, dass sie nur vor dem Rennen erreichbar sind (und man somit hier bleiben muss, bis das "Roads open"-Auto durchgerauscht ist). Wem das aber nichts ausmacht, der verbringt einige Stunden an interessanten Aussichtspunkten.

   Weiter geht die wilde Hatz an Cronk-y-Voddy und Barregarrow (zwei weiteren Stellen, die man zum Zusehen anfahren kann) vorbei in Richtung Kirk Michael. Hier ist für Zuschauer der Knackpunkt der Strecke: in Kirk Michael gibt es keine Möglichkeit, ausserhalb des Rennkurses weiter zu fahren und da man den Kurs eben nicht überqueren kann, muss man schon Riesenumwege und eine gehörige Portion Zeit in Kauf nehmen, will man auf die andere Seite des Kurses wechseln.

   Nach der Ortsdurchfahrt gelangt man zuerst mit Rhencullen an eine weitere Hochgeschwindigkeitspassage, wo es den Bikes während der Fahrt das Vorderrad lupft. In Höhe von Bishops Court sind die Lichtverhältnisse wieder durch Bäume und abends durch die tiefstehende Sonne für die TT-Rider sehr schwierig.

Bild "TT-Infos:solos2.jpg"   Kurz darauf ist ein weiterer Höhepunkt des TT-Kurses erreicht: Ballaugh Bridge, eine kleine Brücke mit einer Sprungschanze, die auf der gesamten Strecke ihres Gleichen sucht. Sehenswerte Sprünge sind hier zu sehen, die nicht nur die Rennmaschinen aufs Äußerste belasten. Direkt nach dem Sprung geht es in eine Rechts-Links-Kombination, aus der voll herausbeschleunigt wird.

   Ab Ortsausgang Ballaugh geht´s zunächst durch die Kurvenabteilung Quarry Bends, bevor die Fahrer die Sulbi Straight erreichen, dem schnellsten Abschnitt des gesamten TT-Kurses (nach Angaben eines Technikers des Penzkofer-Teams "Penz13" im Jahr 2014 war dort einer ihrer Fahrer laut Datarecording unfassbare 336 km/h schnell!) via Sulby Bridge (hier steht ebenfalls eine Tribüne) weiter in Richtung Ramsey. Hier kann man am Parliament Square auch ganz gut zusehen.

   Hinter Ramsey folgt dann der berühmte "Ramsey Hairpin", eine Haarnadelkurve, die praktisch den Einstieg in den Bergabschnitt markiert. Einer der tollsten Aussichtspunkte der gesamten Strecke, das "Gooseneck", liegt hier am Anfang der Mountain Box. Man sieht hier die Moppetts aus einer Linkskurve kommend auf sich zufahren. Mit ordentlich Speed klappen die Renner in eine mindestens 110°-Rechstkurve, um dann wild beschleunigend nach einem leichten Linksschwenk hinter einer Kuppe aus dem Sichtbereich zu entschwinden. Man kann diese Stelle von ausserhalb des Kurses anfahren und wieder verlassen und die Strecke dorthin ist abenteuerlich. Hier gibt es während der Rennen sogar eine Imbissbude, die TT-Besucher mit Tee, Kaffee, Kaltgetränken, Sweets und Hamburgern versorgt. Diese Stelle ist quasi Pflicht und für mich der beste Punkt, um den Mad Sunday zu geniessen.

   Ab jetzt sind die Fahrer wieder in der Highspeed-Abteilung. Videos von den TT-Rennen zeigen immer wieder Luftaufnahmen aus diesem Bereich, wobei die Moppetts immer schneller sind als der verfolgende Kamerahubschrauber. Am Bungalow, der höchsten Stelle der Rennstrecke, müssen die Fahrer einer leichten S-Kurve wegen etwas abbremsen, dann aber geht´s mit Fullspeed weiter. Hier zählt nur der Mut.

   Bergab geht es von Kate´s Cottage auf Creg Ny Baa zu. Hier ist wieder eine grosse Tribüne aufgebaut, von der aus man die recht schnelle Rechtskurve sehen kann. Auch diese Stelle gehört zu den Pflichtpunkten der TT-Rennen. Hier ist immer viel los, auch wenn keine Rennen stattfinden, sind hier immer viele Moppetts anzutreffen und Umbauten zu bestaunen.

   Nur noch an Cronk-ny-Mona, Signpost Corner und Governors Bridge vorbei, ist die Runde bei Start und Ziel in Höhe des Grandstands zu Ende.

Bild "TT-Infos:grndstnd.jpg"   Adrenalin pur auf 60,7215 km Länge (37,73 miles), das Ganze in weniger als 17 (in Worten: siebzehn!) Minuten. Und das je nach Rennklasse bis zu 6 Runden lang (der aktuelle  Rundenrekord wurde beim Superbike-Rennen der TT am Fr., 10. Juni 2016, durch Michael Dunlop auf einer BMW S 1000 RR in der zweiten Runde der Senior TT mit 16:53.929 Min = 133,962 mph = 215,5909 km/h aufgestellt, der schon die erste Runde unter 17 Minuten - bei stehendem Start! - gefahren war und seinen erst am vorangegangenen Samstag aufgestellten eigenen  Rundenrekord noch einmal um über 4 Sekunden verbesserte). Noch ist er gültig, aber die 2017er TT-Fortnight läuft (Practise week seit Sa., 27.05.) und die Fangemeinde wartet auf einen neuen Rekord!

   Das geht natürlich nur auf freier Strecke ohne Gegenverkehr! Leider gibt es ein paar Zeitgenossen, die das wenig schert, es wird d´rauf los gefahren als gäbe es Geldpreise für die schnellste Runde unter Normalbedingungen mit Verkehr, man wird sogar mitunter rechts und links gleichzeitig überholt. Dann meidet man besser den TT-Course, es wird zu voll, zu unübersichtlich und teilweise einfach nur lebensverneinend! Und außerdem gibt es ja auch noch andere Straßen auf Paradise Island!

   Webtipp: Onboard-Runde mit Michael Dunlop auf YouTube